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Einladung zum Stöbern: |
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The Markets: Aktueller Bericht vom 16.10.1998, 11.30 Uhr |
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Wer MOVING MARKETS seit Sommer 1998 verfolgt, kennt vielleicht noch unsere Geschichte von den Ballonfahrern. Wir veröffentlichten sie im Juli, unmittelbar in Top-Nähe als Vergleich zu den Aktienmärkten. Die Story schloß ohne "happy end": Die Ballonfahrer gerieten in einen Höhenrausch und feierten die Höhenrekord-Party mit zuviel Alkohol. Am Ende waren sie so besoffen, daß sie nicht bemerkten, wie sich die Katastrophe anbahnte. Der Ballon drohte zu platzen ... In einer ähnlichen Situation befinden wir uns heute wieder. Der Kursanstieg ist berechtigt. Zumindest aus Sicht der Börsenpsychologie. Wochenlang fielen die Notierungen, was etliche Marktteilnehmer verunsicherte. So bewirkte die Zinsentscheidung vor allem, daß die Unsicherheit weichen konnte. Erleichtert griffen die Börsianer zu. Greenspan ist einer der letzten "großen Männer" der 90er Jahre und sein Wort hat Gewicht. So mußte der Markt den Eindruck bekommen, daß die US-Notenbank alles vollkommen im Griff hat. Aber: Ändert die amerikanische Zinsentscheidung tatsächlich etwas an der kritischen Situation der Finanzmärkte in aller Welt? Auch Zinssenkungen in Japan bewirkten nichts (außer, das japanische Investoren ihr Geld in US-Staatsanleihen anlegten). Eine weitere Frage: Ist das Vertrauen, das in die US-Notenbank gesetzt wird, wirklich berechtigt? Zwar hat Greenspan mit seiner Mannschaft dafür gesorgt, daß die Aktienkurse westlicher Industrieländer immer höher steigen konnten. Aber er gestaltete mit dem US-Finanzministerium, eingebunden in politischen Vorgaben, in großem Umfang auch die Verhältnisse des gesamten Weltfinanzsystems (Kreditvergaben und Auflagen für Schuldnerländer). Somit trägt er in diesem Bereich auch die Hauptverantwortung für (Schein-)Erfolge und mögliche Schieflagen. Weil die Aktivitäten der Finanz-Feuerwehr eng mit politischen Zielen verknüpft waren, würde eine Weltfinanzkrise den amerikanischen Staat insgesamt deutlich schwächen. Der Vertrauensverlust wäre groß. Ohnehin ist das Ansehen der US-Administration wegen politischer Skandale weltweit gesunken. Eine Finanzkrise mit möglichen gegenseitigen transatlantischen Schuldzuweisungen würde in dieses Bild passen. Wenn jetzt an den Börsen der Zinsschritt gefeiert wird, beruht das auf dem Vertrauen, daß alle bestehende Krisen nach dem Muster der Vergangenheit gelöst werden können. Ob dieses Vertrauen gerechtfertigt ist, wissen wir erst in einigen Jahren. Heute können wir aber schon versuchen, die Zinsentscheidung nach astrologischen Gesichtspunkten zu beurteilen - und danach sieht es wirklich nicht besonders gut aus: Es deutet überhaupt nichts darauf, daß die gestrige Entscheidung der US-Notenbank irgendwelche langfristigen Auswirkungen haben könnte. Wir sehen es eher als einen verzweifelten Versuch, die bestehende Ordnung zu retten. Denn: Die Zeichen stehen unverändert auf "Auflösung der bestehenden Ordnung". Das wirtschaftspolitische Spiel der 90er Jahre geht zuende. Sollte es tatsächlich eine Krise auf den Finanzmärkten geben, davon gehen wir weiter aus, dürfte sich auch der letzte mächtige Mann der 90er Jahre, Greenspan, in Luft auflösen (und abtreten). Wir werden berichten. |
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