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Analysen + Indikatoren
Das erwartet uns in der nächsten Woche

Deutscher Aktienindex, US-Aktien

Ausblick für die nächste Woche. Grafiken und Analysen mit Stand 03./06.10.2003.

(Vorwoche 29.09.2003).




03.10.2003 DOW JONES 9572 S + P 500 1029,85, NASDAQ100 1375,32

Markttechnik USA

1. NYSE A/D-Linie vs DOW JONES (1 Tag verzögert) | US-Statistik

2. Russell 2000 vs. DOW JONES: Intraday 5 Tage | 3 Monate | 6 Monate |

3. DOW JONES mit Umsatz (1 Tag verzögert)

4. NASDAQ-Computerindex vs. NASDAQ Composite (Hintergrund/Auftaktbewertung am 21.02.2003)

5. Microsoft vs. Nasdaq 100 (Hintergrund/Auftaktbewertung vom 07.06.2003)

Bewertung

Zu 1.

Die A/D-Linie kletterte dem Dow Jones weit nach oben voraus, was als Warnsignal für long Positionen gewertet werden sollte. US Aktien bewegten sich in den vergangenen Wochen mit großer Marktbreite aufwärts, was regelmäßig am Ende einer längeren Aufwärtsbewegung auftritt.

Es besteht die Gefahr, dass der amerikanische Aktienmarkt - wenn überhaupt - nur kurzfristig noch etwas klettern kann. Dabei gilt folgende Handelsregel: Je stärker die A/D-Linie dem Dow Jones nach oben davonläuft, desto kräftiger dürfte die anschließende Talfahrt verlaufen.

Zu 2.

Die Kursbewegungen des Russell 2000 liefern ein Indikatorbild, das mit der NYSE A/D-Linie vergleichbar ist. Der Nebenwerteindex kletterte in den vergangenen Monaten deutlich stärker als der Dow Jones, was sich auch in der vergangenen Woche fortsetzte. Sollte es trotzdem in den nächsten Tagen eine Aufwärtsbewegung geben, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um eine euphorische Übertreibung, die anschließend von fallenden Notierungen abgelöst werden dürfte.

Zu 3.

Wie gut die Marktmechanik zwischen Umsatz- und Kursentwicklung funktioniert, sahen sie in der vergangenen Woche:

Als der Umsatzindikator am 30.09. stärker als der Dow Jones zurückgefallen war, reagierte der Markt schnell auf die negative Divergenz. Weil sich innerhalb weniger Tage viele Marktteilnehmer von ihren Aktien verabschiedet hatten, stand an der Seitenlinie viel Kapital bereit, das sofort eingesetzt wurde.

Folge: Der Dow Jones kletterte im Rahmen einer Gegenbewegung, so das die überverkaufte Situation bereinigt wurde. Zur Zeit kann der Umsatzindikator mit kurzfristiger Perspektive als neutral angesehen werden. Weder eine Aufwärts - noch eine Abwärtsbewegung lässt sich aus den Daten ableiten.

Für eine Topbildung fehlt die positive Divergenz. Dazu sollte der Dow Jones seine Aufwärtsbewegung mit anhaltend hohen Umsätzen fortsetzen.

Zu 4.

Die Computerwerte reagierten in der vergangenen Woche beim Zwischentief und kurz vor der Gegenbewegungen nach oben mit der bekannten Marktmechanik: Sie fielen stärker zurück als der Nasdaq Composite Index und generierten dadurch ein Kaufsignal.

US Aktien können jetzt solange steigen, bis die Titel aus der Computerbranche stärker als der Gesamtmarkt zulegen. Das war in den vergangenen Tagen jedoch nicht erkennbar, so das es noch ein paar freundliche Tage geben könnte.

Zu 5.

Microsoft blieb mit der Kurserholung des Gesamtmarktes schwächer als der Nasdaq 100. Das entspricht der Marktmechanik von Aufwärtstrends. Bleibt die Tendenz bestehen, könnte sich die Rallye fortsetzen. Aber der Trend kann praktisch jederzeit umschlagen:

Sollte statt dessen die Microsoft-Aktie stärker als der Nasdaq 100 zulegen, wäre das der Vorbote für die Top Bildung, die sich aus der A/D-Linie ableiten lässt.

** **

Ausblick: Die Markttechnik für US Aktien stellt sich im Vergleich zur DAX Entwicklung neutral bis negativ dar. Während der Deutsche Aktienindex auf Grund der Indikatoren seine Aufwärtsbewegung fortsetzen könnte, entsteht bei amerikanischen Aktien der Eindruck, daß die Rallye schon fast wieder beendet ist.

Folgendes Szenario erscheint deshalb möglich: Die US Märkte bewegen sich in den nächsten Tagen mit freundlicher Tendenz seitwärts. Weil der DAX auf die Vorgaben von der Wallstreet regelmäßig mit Übertreibungen reagiert, könnte er seine am Freitag begonnene Rallye mit größerem Tempo fortsetzen.

Chance für kurzfristige long Spekulationen: Der DAX hätte für eine euphorische Übertreibungsphase mehr Luft nach oben als Dow Jones, S + P 500 und Nasdaq 100.

Risiko für kurzfristige long Spekulationen: Das Warnsignal aus der NYSE A/D-Linie wiegt schwerer als die anderen Indikatoren, die sich eher als neutral darstellen. Danach könnte die US Börse jederzeit scharf einknicken.

(Vorwoche 29.09.2003)

** **

03.10.2003: Deutscher Aktienindex 3.419

Bärenmarktrallye - so geht es weiter:

In der vergangenen Woche startete eine Bärenmarktrallye: Nach der Talfahrt seit Anfang September erholten sich die Notierungen von 3200 auf 3400 Punkte und ermöglichten dadurch die Chance, dass der DAX bis an den Ausgangspunkt der Topbildung im Bereich 3500/3560 Punkte zurückkehrt. Im Rahmen einer euphorische Übertreibungsphase könnte der DAX auch noch einmal den Widerstand im Bereich 3600 Punkte testen.

Sollte es sich um eine Bärenmarktrallye handeln, was ich im aktuellen Szenario unterstelle, könnte der DAX solange steigen, bis der LS Indikator

1. unter 98/96 Punkte gefallen ist und

2. wieder zu steigen beginnt.

Folgende Marktmechanik liegt dabei Zugrunde: der DAX wird überwiegend von schwergewichtigen Werten mit hoher Marktkapitalisierung nach oben gezogen. Diese Werte gerieten während des Rückschlags besonders stark unter Druck und haben gegenüber den Index-Leichtgewichten Nachholpotential.

In der oberen Grafik sind Bärenmarktrallyes seit Frühjahr 2002 markiert. Sie sehen, dass der DAX im intakten Abwärtstrend immer wieder heftig kletterte, ausgelöst von umfangreichen Käufen bei den großen, schwergewichtigen Titeln. Die Marktteilnehmer konzentrieren sich dabei auf Blue Chips, weil sie von den internationalen Investmentgesellschaften bevorzugt werden. Deutet sich eine Bärenmarktrallye an, springen zusätzlich kleinere Vermögensverwaltungen und private Anleger auf den losfahren Zug und verstärken den Trend.

Das geht solange gut, bis das an der Seitenlinie stehende Kapital investiert wurde, und das Erholungspotential der Schwergewichte ausgeschöpft ist. In solchen Fällen erreicht der LS Indikator die Umkehrzone unterhalb von 98/96 Punkten. Wichtig dabei: Diese Marktmechanik war in der Vergangenheit am besten innerhalb eines Abwärtstrends ablesbar. Einige Marktteilnehmer stehen in solchen Börsenphasen Gewehr bei Fuß, um einen Trendwechsel, oder zumindest vorübergehende Aufwärtsbewegung nicht zu verpassen. In den meisten Fällen dürften dabei die - in der Regel viel zu frühen - Erwartungen an eine Trendwende nach oben zu den Umschichtungen in Richtung der schwergewichtigen DAX Titel führen.

Wir können davon ausgehen, dass sich die professionellen Vermögensverwalter zuerst positionieren und danach erst die breite Masse einsteigt. Wie Sie anhand der nachfolgenden Grafik sehen können, gab es bereits am 25. September erste Umschichtungen in Richtung der Indexschwergewichte:

Der DAX pendelte oberhalb der 3300 Punktemarke seitwärts, während gleichzeitig der LS Indikator von 107,6 auf 105 fiel. Danach setzte sich der Abwärtstrend des Indikators fort, während gleichzeitig der DAX in die Knie ging. Dabei nutzten Insider die fallenden Kurse, um die Positionen auszubauen. Erst als der DAX vergangenen Freitag die charttechnische Hürde von 3360/3370 überwand und der mögliche Trendwechsel offensichtlich wurde, verstärkten sich die Umschichtungen in Richtung der Indexschwergewichte.

Solange die Marktteilnehmer auf die Fortsetzung des Rallye setzen und Gelder in Richtung der Index Schwergewichte fließen, wird der LS Indikator fallen. Der Trend kippt, wenn die Branchenrotation auf die nächste Topbildung hinweist. Dann sollte sich der Indikator so verhalten, wie es Anfang September der Fall war (deutlicher Anstieg in Richtung 107/110). Weil bei der Topbildung zuerst die großen DAX Werte unter Druck geraten, profitieren zunächst die Indexleichtgewichte, ohne das der DAX fällt. Erst wenn die Branchenrotation so weit fortgeschritten ist, dass kein frisches Kapital mehr nachfließen kann, dürfte das Ende der Rallye gekommen sein. Geraten dann Optimisten das erste Mal in eine Bullenfalle, dürfte das Ende der Fahnenstange erreicht sein.

Der LS Indikator lässt sich anhand der Charttechnik analysieren: Wird der Abwärtstrend des Indikators gebrochen, dürfte auch der DAX die Trendwende einleiten und sich wieder auf Talfahrt begeben.

Für die Bodenbildung war es wichtig, dass die Pessimisten auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Der Irrtum der short Spekulanten sorgte für steigende Notierungen, wie sie anhand des CMI Depots (siehe Grafik oben) erkennen können. Bis vergangenen Freitag waren sich die Marktteilnehmer vergleichsweise sicher, dass sich die Abwärtsbewegung des DAX fortsetzen würde. Sie engagierten sich seit der Topbildung bei 3600 Punkten bei den renditestarken Werten, und zwar kontinuierlich, was das CMI Depot klettern ließ.

Ein fallendes CMI Depot bedeutet immer, das sich ein Trendwechsel anbahnt und die Marktteilnehmer auf dem falschen Fuß erwischt werden. Das war vergangenen Freitag der Fall, als der DAX durch das Überwinden von 3360/3370 ein charttechnisches Kaufsignal generierte. Folge: Die in vielen Aktiendepots übergewichteten renditestarken Titel waren als Sicherheitsinvestment mehr gefragt. Gewinnmitnahmen setzten ein, was schließlich die Branchenrotation vervollständigte.

Sie sehen auch anhand des CMI Depots, dass erste Umschichtungen schon viel früher, ab dem 29. September, einsetzten. Der Indikator erreichte kein neues Hoch mehr, obwohl der DAX seine Abwärtsbewegung fortsetze. Zu diesem Zeitpunkt begannen die Insider bereits, ihre Depots neu auszurichten.

CMI Depot Ausblick: Heute ist der Indikator mit 7 spekulativen und 7 renditestarken Werten neutral ausgerichtet, was ihn wenig aussagekräftig macht. Erst die einseitige Ausrichtung der Marktteilnehmer, wenn die renditestarken Titel deutlich übergewichtet sind, dürfte der obere Umkehrpunkt erreicht sein.

Link: LS-Indikator - CMI Depot

Die Rallye des DAX könnte noch ein paar Tage anhalten, was sie auch anhand des Umsatzindikators Aktienvolumen erkennen können:

Er tendierte in den vergangenen Tagen schwächer als der DAX, was anzeigt dass viel Kapital aus dem Aktienmarkt abgezogen wurde. Das ist zwar auf den ersten Blick negativ, weil sich einige Marktteilnehmer von der Börse verabschiedeten. Aber die Spekulanten werden nicht zögern, schnell wieder einzusteigen, wenn der DAX zu steigen beginnt.

Wir werden das anhand der Umsätze erkennen können: Klettert der DAX mit niedrigen Umsätzen, steht viel Kapital an der Seitenlinie und kann neu investiert werden. Das erhält den kurzfristigen Aufwärtstrend, erkennbar anhand der negativen Divergenz des Indikators Aktienvolumen. Erst wenn die Umsätze kräftig anziehen und die breite Masse der Anleger mit hohen Umsätzen einsteigt, läuft Aktienvolumen dem DAX nach oben voraus, was ein neues Verkaufsignal generieren würde.

Das Aktienvolumen signalisiert, wie sich die Aktienhändler verhalten. Sie werden am stärksten von den Massenmedien beeinflusst, wodurch sie sich - im Gegensatz zu den DAX Future Spekulanten - als Kontraindikator eignen.

Zusammenfassung: Die vergangenen Freitag eingeleitete Aufwärtsbewegung könnte sich noch ein paar Tage fortsetzen. Mögliche Kursziele: 3500 - 3550 - 3600.

(Vorwoche 29.09.2003)


GERT SCHMIDT FINANZINFORMATIONEN