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Analysen + Indikatoren
Das erwartet uns in der nächsten Woche

Deutscher Aktienindex, US-Aktien

Ausblick für die nächste Woche. Grafiken und Analysen mit Stand 20./23.08.2004.

Vorwoche




20.08.2004, DOW JONES 10.110, S + P 500 1098,35, NASDAQ100 1366,73

Markttechnik USA

1. NYSE A/D-Linie vs DOW JONES (1 Tag verzögert) | US-Statistik

2. Russell 2000 vs. DOW JONES: Intraday 5 Tage | 3 Monate | 6 Monate |

3. DOW JONES mit Umsatz (1 Tag verzögert)

4. NASDAQ-Computerindex vs. NASDAQ Composite (Hintergrund/Auftaktbewertung am 21.02.2003)

5. Microsoft vs. Nasdaq 100 (Hintergrund/Auftaktbewertung vom 07.06.2003)

Bewertung

Zu 1.

Der Anstieg ist ein Warnsignal, die jüngste Erholung und die anderen Kaufsignale nicht sorglos hinzunehmen. Die Umschichtungen könnten aus einem Grund stattfinden, der auf den ersten Blick nicht offensichtlich ist.

Beispiele: Außerplanmäßig Abschreibungen der Unternehmen von Kapazitäten und Immobilien, steigende Zins- und Pensionslasten.

Die Indikatormechanik

"NYSE A/D-Linie mit positiver Divergenz = bevorstehende Abwärtsbewegung"

gilt seit Februar 2004. Sollte dem Dow Jones der Anstieg über 10.180/10.200 gelingen, wäre diese Indikatormechanik erstmalig seit 6 Monaten ausgehebelt - und ein möglicher Start für den neuen Aufwärtsschub (vergleichbar mit 2003).

Zu 2.

Der Russell2000 kletterte in der vergangenen Woche stärker als der Dow Jones - ein Warnsignal, daß der Anstieg über 10.180/10.200 Punkte im ersten Anlauf scheitern könnte.

Zu 3.

Die Umsatzentwicklung weist unverändert auf eine bevorstehende Aufwärtsbewegung hin. Als der Dow Jones in der vergangenen Woche zulegte, geschah das mit niedrigeren Umsätzen als die vorherige Talfahrt. Deshalb steht die Mehrheit der Marktteilnehmer immer noch unterinvestiert an der Seitenlinie, was für weiter steigende Notierungen sorgen dürfte. Nach einer möglichen Konsolidierung (Russell2000, s.o.) dürfte sich der Dow Jones über den bisherigen Tiefständen stabilisieren, um dann erneut zuzulegen.

Zu 4.

Computerwerte kletterten nicht so schnell wie der Gesamtmarkt - eine positive Entwicklung, die den Aufwärtstrend stützt.

Sollte sich der Branchenindex Anfang dieser Woche besser entwickeln, wäre das ein weiteres Warnsignal, daß der Dow Jones am Widerstand 10.180/10.200 scheitern könnte.

Zu 5.

Weil sich der Kontraindikator Microsoft während der Top Bildung bewährte, steht er nach der Bodenbildung weiterhin im Mittelpunkt der Beobachtungen: Bleibt er wie in den vergangenen Tagen schwächer als der Nasdaq100, würde das die Kaufsignale des Umsatzindikators und des Computer-Branchenindex stützen und die Warnsignale der NYSE A/D-Linie und des Russell2000 neutralisieren.

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20.08.2004: Deutscher Aktienindex 3712,61

Wie weit kann der DAX noch steigen?

Das dürfte auf jeden Fall anhand der DAX A/D-Linie und dem Indikator Aktienvolumen erkennbar sein: Solange sie dem DAX hinterher hinken, dürfte der Aufwärtstrend intakt bleiben. Steigen die Indikatoren schneller, besteht die Gefahr einer Top Bildung mit anschließender Konsolidierung oder sogar Talfahrt.

Aber so weit ist der Markt noch lange nicht. Bis der DAX zu teuer wird, hat er gegenüber Anleihen eine große Portion Aufholpotential.

Sofern die Prognosen der Analysten zutreffen (für 2003 und voraussichtlich auch 2004 war das der Fall), ist der DAX über 35 Prozent unterbewertet. Sie sehen das anhand des Zusammenspiels zwischen Anleiherendite und der Gewinnrendite der DAX Unternehmen, sichtbar gemacht anhand des Anleihe/Aktien-Ratios:

Zur Zeit notiert der Indikator auf dem niedrigen Niveau von unter 60. Das stellt eine günstige Bewertung dar. Denn der Risikoabschlag, den Aktien gegenüber festverzinslichen Staatsanleihen haben müssen, um für ein Investment attraktiv zu sein, ist dadurch groß genug. Der Wert von 100 würde anzeigen, daß Anleihen und Aktien gleich hoch bewertet sind (= Aktien zu teuer, weil kein Risikoabschlag besteht).

Ein Anleihe/Aktien-Ratio von 80 würde signalisieren, daß Aktien mit einem kleinen Risikoabschlag angemessen bewertet werden.

Weil das weltweit vagabundierende Kapital ständig nach der höchstmöglichen Rendite mit geringstmöglichen Risiken Ausschau hält, ist es bestrebt, auf Ungleichgewichte des Marktes zu reagieren. Dadurch werden Überbewertungen abgebaut und Unterbewertungen ausgeglichen. Der Idealzustand wäre in allen Bereichen ein Gleichgewicht. Aber weil die Märkte ein Spiegelbild der Gesellschaft darstellen, gibt es Übertreibungen nach oben und unten.

Weil in den vergangenen Wochen eine Übertreibung nach unten stattfand, ist es aussichtsreich, darauf zu spekulieren, daß die Unterbewertung ausgeglichen wird.

Verglichen mit früheren Marktreaktionen ist es wahrscheinlich, daß das Anleihe/Aktien-Ratio in den nächsten Monaten auf 80 steigen kann. Das würde einer 10jährigen Staatsanleihenrendite von 5,19 Prozent (Basis Bund Future 6,0 Prozent, aktueller Kurs 115,47) und einer Gewinnrendite der DAX Unternehmen von 6,45 entsprechen (zur Zeit 8,67 Prozent)

Daraus folgt: Sofern die Zinsen mindestens auf dem aktuellen Niveau bleiben und die Analysten ihre Gewinnprognosen für 2005 nicht senken, könnte der DAX rund 35 Prozent zulegen. Dann würde das Anleihe/Aktien-Ratio auf 80 Punkte klettern und einen nahezu ausgeglichenen Markt signalisieren. Geschieht das, dürfte der DAX über 5000 Punkten notieren.

Darin ist aber noch keine Übertreibung nach oben enthalten. Sollten die Zinsen niedrig bleiben, die Analysten ihre Gewinnprognosen mindestens auf dem aktuellen Niveau halten und gibt es eine Übertreibung nach oben, wäre sogar ein Erreichen der 6000 Punkte-Marke denkbar.

Steigen die Zinsen und reduzieren die Analysten ihre Gewinnprognosen, wird das Anleihe/Aktien-Ratio viel schneller den Wert von 80 erreichen. Ein DAX von 5000 Punkten wäre kaum erzielbar. Aber das wird in den nächsten Wochen erkennbar sein: Werden einige Unternehmen im letzten Quartal 2004 Sonderabschreibungen vornehmen, dürfte das der DAX vorwegnehmen, bzw. die Analysten werden dann ihre Schätzungen reduzieren - erkennbar anhand des schnell steigenden Anleihe/Aktien-Ratios.

Woher könnte der Aufschwung kommen?

So ist es denkbar, daß die neuen Vorschriften zur Arbeitsförderung und die Sozialgesetzgebung in Deutschland die Konjunktur ankurbeln. "Offenes Sparen für schlechte Zeiten" wird dadurch für einen Teil der Bevölkerung unattraktiv, möglicherweise sogar riskant. Folge: Geld kommt immer weniger im Sparstrumpf zum Einsatz, sondern wird für den Konsum genutzt. Die Ängste der vergangenen Jahre sorgten für eine wachsende Sparquote in Deutschland (10,5 Prozent).

"Der Staat nimmt Dein Geld, wenn Du es nicht ausgibst oder es ihm offen zeigst" - möglicherweise ein psychologischer Trick, der überraschend Geld in den Wirtschaftskreislauf pumpen könnte. Zwar wäre das wohl kein Ziel der Bundesregierung, aber ein interessanter "Nebeneffekt". Das depressiv verstimmte Deutschland würde dadurch dadurch ungeahnte Kräfte entwickeln.

Dann würde auch die Theorie über den Vorteil antizyklischen Handelns wieder stimmen: Denn die "gefühlte" Stimmung in den Medien, in Wirtschaft und Gesellschaft ist zur Zeit schlecht wie selten zuvor (und paßt auch zu den Moving Markets Stimmungsindikatoren). In solchen Situationen an der Börse zu investieren, erfordert Mut. Denn die Perspektive für zukünftig steigende Gewinne ist kaum vorhanden. Aber weil die Stimmungsindikatoren in der Vergangenheit nach den bekannten Mustern Kaufsignale liefern, erscheint es aussichtsreich, auf steigende Notierungen zu setzen.

Es gilt für die nächsten Wochen das Mindestziel einer technischen Reaktion des DAX in Richtung 4000 Punkte.

Außerdem: Sollte - durch welchen Anlaß auch immer - ein Ruck durch Wirtschaft und Gesellschaft gehen, eine neue Aufbruchstimmung in Deutschland entstehen, könnte das Tal der Tränen durchschritten sein. Dann wäre die Perspektive, für 2005 mit einem DAX von 5000 Punkten zu kalkulieren, gar nicht so unwahrscheinlich.


GERT SCHMIDT FINANZINFORMATIONEN