Aktien als Sachwerte nicht gefragt, Vermögensverwalter halten sich zurück

Im Bericht vom 26.08.2009 hatte ich auf die Aussagekraft des durchschnittlichen Ordervolumens (DOID) hingewiesen: Langfristige Trends signalisiert der Indikator, indem er steigt oder fällt.

Für diese Grundregel gab es in der Vergangenheit immer wieder Bestätigungen.

Auch die Aufwärtsbewegung der vergangenen Wochen zeigte der Indikator an: Er blieb über 21.000 EUR, was signalisierte, dass einige Kapitalanleger bereit waren, optimistischer zu denken. Das höhere durchschnittliche Ordervolumen stützte den Markt bei seinem Anstieg auf rund 5.900 Punkte.

Allerdings erscheint es weiterhin fahrlässig, von einem anhaltenden Aufschwung und stabilen Aufwärtstrend zu sprechen. Beobachter, die von einer erstarkenden Wirtschaft oder sogar von einer Flucht in Sachwerte sprechen, könnten sich irren.

Die These darf aus dem anhaltend gedrückten Indikator abgeleitet werden:

DOID kletterte zwar auf 29.000 / 30.000 EUR. Aber für eine Normalisierung mit Aufschwung-Qualität müsste der Indikator – wie 2003 – auf 35.000 / 42.000 EUR steigen. Erst dann wären kapitalkräftige Marktteilnehmer in einem neuen, nennenswerten Umfang zurückgekehrt.

Derzeit befindet sich der Indikator gerade mal auf dem Niveau vom April 2003, als der DAX von 2.200 auf 2.600 Punkte geklettert war.

Danach ist der Markt weit davon entfernt, das 2003er Szenario nachzuvollziehen. 

Zurzeit scheinen Anspruch und Wirklichkeit weit auseinander zu klaffen. Die Entscheidungsträger, Verbandsvertreter usw. hätten zwar gern einen Aufschwung und offenbar waren auch einige Marktteilnehmer bereit, dem positiven Ausblick zu folgen. Aber die großen Fonds und Vermögensverwalter blieben dem Markt fern. Möglicherweise kaufen zurzeit nur Publikumfonds, die die monatlichen Sparraten an der Börse unterbringen.

Aktien als Sachwerte scheiden aus: Bei diesem niedrigen Ordervolumen fällt es auch schwer, einem Inflationsszenario zu folgen. Gäbe es eine Flucht der Vermögenden in Sachwerte (wie bei den Edelmetallen), hätte DOID ebenfalls deutlich höher steigen müssen.

Das niedrige DOID-Niveau signalisiert größte Zurückhaltung der Marktteilnehmer bei Aktien. Während im Blätterwald ein “Inflationssturm” tobt, entlarvt das durchschnittliche Ordervolumen das Wetter als leichte Brise.

Der Anstieg von Gold und Silber muss nicht unbedingt Inflationsgründe haben. Es kann auch eine Flucht in Sicherheit sein, weil andere Sachwerte zu viele Nachteile haben und die Edelmetalle die einzigen Assets mit jahrelang stetiger Wertentwicklung blieben.

Hinterlegt ein Kreditsuchender ein Aktienpaket oder Gewerbeimmobilie als Sicherheit, würde er von seiner Bank ein müdes Lächeln ernten. Bei den Edelmetallen sieht das dank der niedrigen Schwankungen und stetigen Aufwärtsgewegung anders aus. Das könnte – neben anderen Bewertungsgründen – ein Auslöser dafür sein, weshalb Gold stabil klettern kann und Aktien gemieden werden. Jedenfalls signalisiert DOID einen solchen Widerspruch.

Ende vergangener Woche zeichnete sich ein Trendbruch ab:

Der Indikator fiel deutlich zurück. Zwar blieb er innerhalb des Aufwärtstrends. Aber schon ein, zwei schwächere Tage würden ausreichen, um die Aufwärtsbewegung des DOID zu beenden. Dann würde die Gefahr der Bullenfalle konkret werden.

Anhand der Intraday-Entwicklung sehen Sie den Charakter des Abwärtstrends: Der nach unten beschleunigende DOID signalisiert die potenziellen oberen Wendepunkte und Bullenfallen. Dabei könnte auch das Tempo, die Dynamik des fallenden Indikators entscheident sein. 2001, im Sommer, im Vorfeld des Crashs war die Abwärtsdynamik auch Intraday immer wieder ein nützlicher Hinweisgeber – insbesondere, wenn DOID nach der Eröffnung sehr schwach tendierte.

Sollte der Indikator auch auf Tages-Schlußkursbasis weiter abrutschen, z.B. unter 21.000 / 20.000 EUR, könnte der DAX seinen langfristugen Abwärtstrend fortsetzen.

Anhaltende und neue Signale für eine Topbildung

Vor drei Tagen tippte der DAX bei 5.850 Punkte auf, um anschließend den Rückwärtsgang einzulegen. Was auf den ersten Blick nach einer der üblichen Kursschwankungen aussah, könnte sich zum längst überfälligen oberen Wendepunkt entwickeln.

Das typische Muster einer Top Bildung zeigten die KGV-Indikatoren: Sie kletterten stärker als der DAX, in der nachfolgenden Grafik zu sehen:

Eine solche positive Divergenz der Indikatoren im Vergleich zum DAX entstand in der Vergangenheit regelmäßig an oberen Wendepunkten.

Ansonsten zeigt sich bei den Beta Faktor-Indikatoren ein ähnliches Bild wie 2007: Der Trendsettter-Indikator (Beta und Rendite hoch), der Anleger mit spitzem Bleistift repräsentiert, fällt. Gleichzeitig gehören die Hasardeure zu den mutigen Käufern. So entstand 2007 die Bullenfalle.

Aktuelle Entwicklung:

Der Indikator Beta und  Rendite hoch dürfte dem DAX nach unten vorausfallen.

Hier der Chart von 2007:

Als die Hasardeure immer noch kauften, standen die Trendsetter auf der Verkäuferseite.

Auf die aktuelle Situation übertragen bedeutet das: Es fehlt für den Anstieg über 4.800/5.000 Punkte die Basis.

Das durchschnittliche Ordervolumen im DAX (DOID) zeigte in den vergangenen Tagen ein Baisse-Muster. Fällt der Indikator auf Tages-Schlußkursbasis, wäre das ebenfalls eine bärische Entwicklung.

Insgesamt würden die Indikatoren fallende Kurse erlauben. Das Scheitern des DAX an der 5.850er Marke geht schon in die Richtung.

Sicherheit im Mittelpunkt

Insbesondere seit 2007 sind Umschichtungen in Richtung Sicherheitsinvestments der Vorbote für fallende Notierungen.

Seit April/Mai, im Juni, August und September gab es solche Umschichtungen, die anhand der Moving Markets Indikatoren gezeigt wurden.

Danach bereitet sich der DAX seit rund sechs Monaten auf den oberen Wendepunkt vor.

Einen vergleichbaren Indikator gibt es für den amerikanischen Aktienmarkt: Transportaktien, vergl. Bericht vom 05.08.2008
http://www.movingmarkets.de/trends/charts/aktuell/?p=257

Hier der Chart mit dem Zusammenspiel von Dow Jones und Transportindex:

http://finance.yahoo.com/echarts?s=%5EDJT#chart11:symbol=^djt;range=5y;compare=^dji;indicator=volume;charttype=line;crosshair=on;ohlcvalues=0;logscale=on;source=undefined

Darin ist sehr gut zu sehen, dass die Marktteilnehmer Mitte 2008 in die antizyklischen, vermeintlich sicheren Transprtwerte flüchteten. Während der Dow Jones unter die Räder geriet, bzw. sich der obere Wendepunkt im April anbahnte, kletterte der Transportindex.

Auch in den vergangenen Monaten zeigte sich der Index als Outperformer und ist deshalb Bestandteil der Short-Argumente.

Der Anstieg Mitte September wäre danach der für die Top Bildung erforderliche Exzess gewesen, denn der Transportindex beschleunigte noch einmal, während der Dow Jones bei 9.800 Punkten an die Decke stieß.

Wie im April / Juli 2008 (und bereits in den vergangenen Monaten) stehen deshalb die Sicherheitsinvestments im Vordergrund. Für den US Markt ist das der Transportindex, z.B. hier die vergangenen 5 Tage

http://finance.yahoo.com/echarts?s=%5EDJT#chart4:symbol=^djt;range=5d;compare=^dji;indicator=volume;charttype=line;crosshair=on;ohlcvalues=0;logscale=on;source=undefined

Für den DAX sind das die Indikatoren Beta niedrig renditestark, Eigenleben, G5 Depot und K Depot, hier auf dieser Seite zusammengefasst:

http://www.movingmarkets.de/trends/charts/sicherheit.php

In den vergangenen Tagen tendierten diese Indikatoren schwächer, worauf die Gegenreaktion nach oben folgte. Aber mit längerer Perspektive, mit Sicht auf die Entwicklung seit dem Frühjahr, haben die Indikatoren – wie der US Transportindex – ein abwärts zeigendes Muster.

Sie sehen das anhand von “SSI1 langfristig” und “SSI2 langfristig”. Die Indikatoren kleben immer noch am Boden, weil zuvor die Flucht in Sicherheitsinvestments so ausgeprägt war. Die Talfahrt der Indikatoren verdeutlicht erhebliche Umschichtungen. Das dürfte – wie seit 2007 in der Baisse zu beobachten – auch diesmal zum erwarteten oberen Wendepunkt führen. Danach darf die Rallye auf zurzeit 5.727 Punkte als technische Reaktion im bereits bestehenden Abwärtstrend eingestuft werden.

Ein starkes Gegenargument: das durchschnittliche Ordervolumen im DAX (DOID). Der Indikator blieb auf dem leicht erhöhtem Niveau, was den Aufwärtstrend grundsätzlich stützt. Das ist zurzeit der einzige Indikator, der auf einen liquiditätsgetriebenen Anstieg hinweisen würde.

Gäbe es die anderen Warnsignale nicht, würde ich die short-Absicherung des Moving Markets Depots verkaufen und auf einen Ausbruch nach oben setzen. Deshalb fiebere ich diesem Indikator zurzeit jeden Tag zum Börsenschluss entgegen.

Profis steigen ein

DOID:

Im 12-Monats-Chart entsteht jetzt ein deutlich sichtbarer Aufwärtstrend des Indikators.

http://www.movingmarkets.de/trends/charts/ddax12.php

Dadurch signalisiert DOID, dass verstärkt kapitalkräftige Marktteilnehmer in den Markt drängen. Mit ihnen kann der DAX weiter zulegen. Allerdings fällt es mir schwer vorzustellen, weshalb sie jetzt Aktien kaufen – mit Ausnahme der Käufe bei inflationären Tendenzen.

Andere Indikatoren weisen weiterhin auf einen oberen Wendepunkt hin:

Sicherheitsinvestments (auf Tagesbasis weiter abwärts zeigend)
http://www.movingmarkets.de/trends/charts/sicherheit.php

MMC (kurz- und langfristiger Anstieg des Indikators)
http://www.movingmarkets.de/trends/charts/mmc.php

Beta und Rendite hoch (die Optimisten wurden im September auf dem falschen Fuß erwischt)
http://www.movingmarkets.de/trends/charts/betahoch.php

Das hohe DAX/SP500-Ratio
http://www.movingmarkets.de/trends/charts/spd.php

Gold, das in der Baisse antizyklisch steigt
http://www.movingmarkets.de/trends/charts/spgo.php

Die hohe Bewertung
http://www.movingmarkets.de/trends/charts/ddaxkgv.php

All die Warnsignale würden keine Rolle spielen, wenn es ein Inflationsszenario gäbe. Aber von den Rohstoffen kommen zurzeit keine solchen Hinweise.

http://index.onvista.de/snapshot.html?ID_NOTATION=8550355&MONTHS=36#chart1

Aber der Bund Future Indikator fällt
http://www.movingmarkets.de/trends/charts/ibf.php

Daraus darf ein bevorstehend schwacher Anleihemarkt abgeleitet werden. Das würde grundsätzlich für steigende Aktien sprechen – mit einer Ausnahme: Bewegen sich die Märkte wir 1929ff, würden Aktien und Anleihen gemeinsam in die Knie gehen.

Am Verhalten der Sicherheitsinvestments dürfte ablesbar sein, wofür sich die Märkte entscheiden. Trennen sich die Marktteilnehmer von defensiven Positionen, würden sie dem DOID nach oben folgen und den DAX nach oben kaufen.

Fallen SSI1 und SSI2, bauen die Skeptiker wie bei früheren oberen Wendepunkten ihre Positionen aus. Dann wäre ihre Kapitulation gestern Nachmittag nur eine technische Reaktion im Abwärtstrend – ein Luftholen des Marktes vor dem nächsten Schub nach unten.