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TRENDS! - Bericht vom 16.02.2005 |
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Aufschwung oder Zweckoptimismus? Kritisch bleiben! Das Bruttoinlandsprodukt in Deutschland nahm im vierten Quarttal 2004 um 0,2 Prozent ab, obwohl die Analysten mit einer Steigerung um 0,2 Prozent gerechnet hatten. Zusammen mit den vor zwei Wochen veröffentlichten, ebenfalls enttäuschenden Einzelhandelszahlen sind die Daten geeignet, ab sofort kritischer in die Zukunft zu schauen als bisher. Denn diese Daten waren Fehlprognosen der Volkswirte - zumal Mitte Dezember 2004 eine erfreuliche Konsumlaune der Verbraucher prognostiziert wurde. Sollte das eine sich selbst erfüllende Prognose gewesen sein, mit der der Konsument bei Laune gehalten werden sollte? Das war ein gescheiterter Versuch. Nun besteht die Gefahr, daß die Analysten etwas übersehen haben und auch die Gewinnschätzungen für 2005 und 2006 nach unten korrigiert werden müssen. Wie lassen sich Spekulationsblasen mit schöngeredeten Wirtschaftskennzahlen erkennen? Dazu ein Rückblick: In den vergangenen Jahren war es sinnvoll, den ifo Geschäftsklimaindex als Kontraindikator zu betrachten. Die Entscheidungsträger in Politik und Wirtschaft betrieben Zweckoptimismus, was anhand der Schere zwischen den Erwartungen und der tatsächlichen Lage ablesbar war. Das war von 1999 bis Anfang 2004 gut erkennbar. BIS 2004 hielt ich deshalb das ifo Geschäftsklima für den besten Indikator, um Pessimismus und Optimismus herauslesen zu können. Das dramatische dabei: Nachdem der ifo-Index Ost und West zusammengelegt wurde, verschwand der Blick durch die rosa Brille. Darf man dem neu zusammengelegten Index glauben, sind die Entscheidungsträger angeblich zum aktuellen Zeitpunkt ernüchtert. Erwartungen und aktuelle Lage liegen zur Zeit eng beieinander, was grundsätzlich dafür spricht, daß mehr Realitätssinn herrscht. Aber ist eine solche Sichtweise zulässig? 1999/2000 lieferte der neue, zusammengelegte Index ebenfalls den Hinweis, daß die Situation realistisch wäre ... Sie erinnern sich bestimmt an die damalige Spekulationsblase. Sehr überraschend, daß die zusammengelegte Ost/West-Stimmung so moderat gewesen sein soll. Wenn der neue Indikator vor fünf Jahren schon kein Warnsignal lieferte, besteht diesmal wieder die Gefahr, daß er versagt. Möglicherweise ist der ifo Geschäftsklimaindex nicht mehr geeignet, eine Spekulationsblase zu diagnostizieren. Wenn jetzt die Volkswirte über das vierte Quartal so überrascht sind, sehe ich Parallelen zur Entwicklung von 2000/2001, als ebenfalls die Analysten auf dem falschen Fuß erwischt wurden. Zur Zeit wird dem DAX bescheinigt, daß er preiswert und deshalb kaufenswert ist (auch ich habe in meinem Musterdepot entsprechende Positionen). Aber was geschieht an den Märkten, wenn sich all das - wie 2000/2001 - in Luft auflösen sollte? In einer solchen Situation sind Überlegungen, daß der DAX 5000 Punkte erreichen kann, mit Vorsicht zu genießen. Einen Grund, sofort die Notbremse zu ziehen, gibt es allerdings noch nicht: Die Gewinnschätzungen der Analysten waren 2003 und 2004 absolut zuverlässig. Wenn die Analystenschätzungen weiterhin so gut bleiben, kann der DAX die 5000 Punkte locker überwinden. Zur Zeit ist er ja ohne Ermüdungserscheinungen auf dem besten Weg dorthin. Nur: Sollten sich die Volks- und Betriebswirte irren, wären die Gewinnschätzungen gefährdet und der DAX schnell unter 4000 Punkten verschwunden. Deshalb gehört hinter das aktuelle Szenario von bevorstehend steigenden Notierungen, bzw. die Bewertung vom 20.08.2005 von "DAX 5000 + XXX" ein Fragezeichen. Es erscheint ratsam, bei den DAX Indikatoren besonders gut hinzuschauen, um Unregelmäßigkeiten herauslesen zu können. Denn sollten die Analysten ihre Gewinnschätzungen wirklich senken müssen, werden die professionellen Vermögensverwalter vorher ihr Kapital in Sicherheit bringen - dann erkennbar anhand ungewöhnlicher Ausschläge der Indikatoren. Bis dahin gilt: Kritisch bleiben. |