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TRENDS! Bericht vom 03.03.1999 Grundsatzanalysen und Kommentare zum Börsengeschehen Hier finden Sie: Der langjährige Aufwärtstrend an den Aktienbörsen ist beendet. Hier berichten wir über Anlagestrategien in Seitwärtsbewegungen an der Börse und über kritische Bemerkungen von George Soros. |
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TRENDS! - Bericht vom 03.03.1999 |
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Der DAX hat nach seiner Abwärtsbewegung wieder Erholungspotential aufgebaut. Aber nach den Seitwärts-/Abwärtsbewegungen der vergangenen Tage und dem schwachen Wall Street-Schluß von heute bleibt es fraglich, ob die Blue Chip-Indizes überhaupt in eine neue Richtung marschieren können. Optimisten und Pessimisten halten sich insbesondere an der Leitbörse Wall Street die Waage. Wer auf fallende Kurse setzte und Short-Positionen aufbaute, wurde ebenso enttäuscht, wie derjenige, der auf die Fortsetzung der Hausse hoffte. Die Aussagen des "Trendsetters" Alan Greenspan waren in der Humphrey-Hawkins-Rede am 24. Februar ebenso verwaschen. Zinsbewegungen in beide Richtungen behielt sich der Notenbank-Chef vor. Sein Ziel: Aufrechterhalten des Wachstums der US-Wirtschaft und ein "Softlanding" bei den weltweiten Finanzkrisen. Weltweit sind sich die Notenbanken und Finanzmanager einig (selbst George Soros und Oskar Lafontaine üben in diesem Fall einen ungewöhnlichen Schulterschluß): Die Finanzmärkte benötigen eine neue Architektur. Möglicherweise zeigen die Maßnahmen der Notenbanken (intern wurde vermutlich bedeutend mehr beschlossen, als nach außen veröffentlicht wurde) schon Wirkung: Die Volatilität an den Märkten sinkt schon seit einigen Wochen. Wenn dieser Trend anhält, hat das vor allem eine Folge: Die "Spekulanten" ziehen sich aus den Märkten zurück, weil der Profit in langsameren Tradingmärkten immer geringer wird, bzw. immer schwerer zu erzielen ist. Das könnte schon das erste Ziel der "Finanzarchitekten" sein: Den unberechenbaren "Zockern" wird der Nährboden entzogen, um die Märkte zu beruhigen. Wahrscheinlich ist das die einzige Chance, die weltweite Finanzkrise (halbwegs) in den Griff zu bekommen. An den Aktienindizes können wir das ablesen: Standen charttechnische Ausbrüche nach oben oder unten bevor, verhinderte eine neue "gestreute" Nachricht den tatsächlichen Ausbruch. In Hongkong und Malaysia fanden sogar massive Eingriffe an den Märkten statt, um Schlimmeres zu verhindern. Ob diese Strategie, die wir hier unterstellen, ohne echte Dokumente vorlegen zu können, erfolgreich sein kann, ist schwer absehbar; "es steht in den Sternen". Aber als Kapitalanleger kann man sich auf diesen Trend einstellen: In Seitwärtsphasen wird es schwieriger, zur richtigen Zeit und am richtigen Ort zu investieren. Dafür muß sich die Anlagestrategie anpassen. Das "unsichtbare Sicherheitsnetz", das die Notenbanken aufspannen, verhindert zwar große Wachstumsraten. Aber es hat, wenn es tatsächlich existieren sollte, einen entscheidenden Vorteil: Es wäre ebenso berechenbar wie ein stabiler Aufwärtstrend. Mögliche Folgen eines mehrmonatigen Seitwärtstrends: * Der Aufwand, jedem kurzfristigen Trend hinterherzujagen, wird immer größer. Die Research-Abteilungen der Banken und Fonds werden mehr gefordert als in der vorangegangenen Boom-Phase. * Bei Aktien wird es noch wichtiger Sondersituationen herauszufiltern. * Index-Spekulationen (auch Index-Zertifikate) werden in Seitwärtsphasen weniger lukrativ. * Anleihen und Aktien mit hoher Dividendenrendite dürften interessanter werden, weil gleichmäßige Gewinne und Ausschüttungen wieder mehr in den Vordergrund treten. * Bisherige "Wachstumsaktien" stoßen an (natürliche) Grenzen. Das Zeitalter der schnellen und gleichzeitig hohen Börsengewinne könnte eine Pause einlegen. Angesichts der überdurchschnittlichen Zuwächse in den vergangenen Jahre wäre das aber nichts Beunruhigendes, sondern eher ein natürlicher Bereinigungsprozeß. Dabei muß es nicht zwangsläufig zu einem Crash kommen. Aber die Zeit drängt: Wenn die führenden Manager des globalen Finanzsystems die richtigen Maßnahmen rechtzeitig treffen, kann die Krise des globalen Kapitalismus verhindert werden. Aber bei all diesen Anstrengungen, die unsere Politiker entfalten, sollten wir eine These von GEORGE SOROS im Auge behalten. Er beschreibt die Unzulänglichkeit der Wissenschaft, die Bewegungen an den Finanzmärkte richtig zu erklären und im voraus bestimmen zu können. Zum 1998er Zusammenbruch des Long-Term Capital Management, das sich bei seinen Strategien von Nobelpreisträgern aus dem Jahr 1997 inspirieren ließ, sagt er: "Daß einige der erfolgreichen Teilnehmer auf Finanzmärkten modernere Theorien, die das Funktionieren ebenjener Märkte erklären, für völlig nutzlos halten, mag an sich schon als beißende Kritik gelten, aber es ist noch keine formale Demonstration ihrer Unzulänglichkeit." Und an diese Aussage fügt er den entscheidenden Satz: "Das Scheitern des Long-Term Capital Management erlaubt da treffendere Schlüsse". Wir sollten hoffen, daß es gelingt, die Krise abzuwenden. Aber es wäre leichtsinnig darauf zu vertrauen. |